 |
 |
Sämtliche, seit Mitte der 90er Jahre verkündeten Versprechungen, die Xenotransplantation könnte bald dazu beitragen, den Mangel an menschlichen Spenderorganen zu beheben, wurden bislang nicht erfüllt. 1996 prophezeite Paul Schmitt, der Geschäftsführer der US-Firma Nextran, die zu dieser Zeit ebenfalls Forschung zur Xenotransplantation betrieb, dass »schon in fünf Jahren« bis zu 100.000 Menschen jährlich Herz, Leber, Niere oder Bauchspeicheldrüse vom Schwein erhalten könnten (3). Doch die Xenotransplantation ist nicht nur noch immer im Versuchsstadium; es zogen sich sogar einige Firmen aus diesem Zweig der Forschung zurück, da er offensichtlich keinen Erfolg verspricht.
Die englische Firma Imutran in Cambridge, eine Tochter des Schweizer Pharma-Giganten Novartis, erzeugte 1992 erstmalig transgene Schweine, die zur Xenotransplantation vorgesehen waren. Im Jahr 2000 zog Novartis die Xeno-Forschung von Imutran ab und gründete zusammen mit dem Unternehmen BioTransplant Incorporated aus Massachusetts die Firma Immerge BioTherapeutics - eines der wenigen Unternehmen, die heute noch Xenotransplantations-Forschung betreiben. So forschte auch das schottische Roslin-Institut, das an der Erzeugung des Klon-Schafes Dolly beteiligt war, zur Xenotransplantation. Das Roslin-Institut beendete diese Forschung jedoch 2000, da die US-Firma Geron Bio-Med, bis dahin Geldgeber der Xeno-Forschung im Roslin-Institut, die Finanzierung stoppte und lieber in die Forschung mit Stammzellen investierte. Das Risiko der Übertragung von Viren durch die Tierorgane wurde als zu hoch eingeschätzt. Das Unternehmen Nextran gehörte zu der Firma Baxter Healthcare in Deerfield bei Chicago. Im Jahr 2003 beendete Baxter sein Xenotransplantations-Programm und übergab diesen Zweig an das Transplantationszentrum der Mayo Klinik in Rochester, Minnesota. Die Biomedizin-Firmen Advanced Cell Technology aus Worcester, Massachusetts und Alexion Pharmaceuticals aus Cheshire, Connecticut, konzentrieren sich heute nicht mehr auf die Xenotransplantation, sondern forschen im Bereich Stammzellen und Immunsystem.
Organe der transgenen Schweine wurden bislang ausschließlich zu Versuchszwecken in Affen verpflanzt, die dies zum Teil einige Wochen bis Monate überleben, allerdings unter massivem Einsatz von Immunsuppressiva (4). Novartis ist Marktführer bei der Entwicklung und Produktion solcher Immunsuppressiva. Das Unternehmen erzeugt also durch die Beteiligung an der Forschung zur Xenotransplantation und ihre angestrebte Etablierung als medizinisches Verfahren bei Organschädigung oder -verlust selbst einen Markt zum Absatz seiner immunsuppressiven Medikamente. Novartis investiert daher nicht wenig in die Xenotransplantation: in den Jahren 2001 bis 2003 waren es 10 Millionen US-Dollar pro Jahr (5).
In Deutschland sind verschiedene Institute der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der Medizinischen Hochschule in Hannover, der Universität Köln sowie das Institut für Tierzucht der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Mariensee bei Hannover, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen und das Robert-Koch-Institut in Berlin in die Xeno-Forschung involviert. Hier werden Experimente zur hyperakuten Abstoßungsreaktion und zur Frage der Viren-Übertragung durchgeführt. Auch transgene sowie geklonte Schweine wurden inzwischen in Deutschland erzeugt.
|
 |
 |